Autoreninterviews

Mit unseren Autoreninterviews stellen wir Ihnen neue und bekannte Autoren des Karl-Mahnke-Verlages vor, um Ihnen die Menschen hinter unseren Stücken ein wenig näher zu bringen.

Interview mit Christoph Steinau

(24.08.2018)

 

Wenn man deine Vita liest, sticht vor allem deine Vielseitigkeit hervor: Schauspieler, Regisseur, Autor. Wie sieht dein Tages- oder Wochenprogramm aus?

Wenn ich nicht an konkreten Aufträgen oder Projekten arbeite, ringe ich mit meinen „Monstern“. So nenne ich Geschichten, die ich schon sehr lange mit mir herumtrage, und die hoffentlich irgendwann einmal in irgendeiner Form umgesetzt werden. Sei es als Film oder für die Bühne oder vielleicht doch mal als Hörspiel?

Was ist für dich das Besondere am Theater, auch im Vergleich zum Film?

Theater ist direkt, rau oder manchmal auch wahnsinnig fragil. Ein Medium von wahnsinniger Kraft und Intensität. Vor ein paar Jahren sah ich im Bochumer Schauspielhaus Jessica Chastain als Desdemona. Sie setzte sich irgendwann an den Bühnenrand und sang unverstärkt ganz leise ein trauriges Lied. Vollkommene Stille im Saal. Ein Moment irrsinniger Kraft, der sich so nie wieder reproduzieren lässt. Den ich nur aus meiner Erinnerung greifen kann. Solche Erlebnisse verbinde ich mit der Macht der Bühne.

Arbeitest du lieber für Film oder Theater? Schreibst, inszenierst oder stehst du lieber auf der Bühne?

Ich schätze die konstruktive und präzise Arbeit an den Rollen und am Stoff, die ich bei den Theaterproben immer wieder erleben durfte. Die Schauspieler, Regisseure und Musiker, mit denen ich dort gearbeitet habe, waren eine super Schule für mich, auch für meine filmische Arbeit. Und als Darsteller liebe ich es natürlich, zwei Stunden auf der Bühne richtig loszulegen. Beim Film hast du ja meist lange Wartezeiten zwischen den Szenen. Als Regisseur jedoch fühle ich mich ganz klar im Film zuhause.

Wie kommst du zu deinen Ideen für die Stücke?

Zu den Ideen komme ich ganz unterschiedlich. Ich lese einen Artikel oder führe ein interessantes Gespräch. Oder ich arbeite mich an Themen ab, die mich sowieso immer wieder beschäftigen. Wenn es dann an die Umsetzung geht, laufe ich meistens drei Wochen in der Wohnung umher und esse tonnenweise Eis. Dann stoße ich irgendwann auf einen prägnanten Satz oder Gag, der die Maschine in Gang setzt. Bei „Der schwarze Hering“ war das: „Um die Straße zu überleben, musst du selbst zur Straße werden!“.

Was machst du, wenn du nicht gerade Theater oder Film machst? 

Ich ringe mit meinem inneren Schweinehund. Wenn ich gewinne, treibe ich Sport. Wenn er gewinnt, machen wir Cheeseburger und schauen American Football.

Wie bist du zur Bühne gekommen?

Ich habe in der Schule angefangen. Ich war der nervige Pausenhofkasper und wurde dann vom Leiter der Theatergruppe auf die Bühne beordert, damit wenigstens was Sinnvolles aus meinem Schabernack entsteht. Ich war sofort in Flammen für die Bühne und habe jede freie Minute dort verbracht. Während meines Studiums widmete ich mich dann ausschließlich dem Film. Aber glücklicherweise habe ich danach das Kasseler Tic mit Intendant Michael Fajgel und seiner verrückten Crew kennengelernt. Das hat meine Begeisterung neu entfacht.

Es gibt Menschen, die sagen, du wärst ein wandelndes Filmlexikon. Stimmt das? 

Vielleicht ist das etwas übertrieben. Ich liebe Filme, seit ich denken kann. Ich habe die Künstler hinter den Werken verehrt und alles Wissen über sie aufgesaugt. Ich wollte begreifen, wie sie machen, was sie machen. Wenn man so will, waren meine ersten Helden meine erste Schule. Und von dem ganzen Zeug habe ich irgendwie kaum etwas wieder vergessen. Dafür habe ich bis heute nicht begriffen, wie man ein Rollo anbringt, ohne dass es wieder runterfällt.

Lieber Christoph Steinau, vielen Dank für deine Zeit und die Einblicke, die du in dein Leben gewährt hast.

(Das Interview führte Fabian Joel Walter.)