"WaschBar" von Michael Wempner mit Leseprobe 

(06.12.2019)

Schortys Waschsalon mit Cafe-Bar befindet sich mitten im Rotlichtmilieu und bildet den knallbunten Szenetreffpunkt eines ganzen Viertels, in dem tagtäglich eine vielschichtige Mischung unterschiedlichster Menschen Liebe, Leid und Lust durchleben. Hier begegnen sich Stars von gestern und morgen, Betrogene, Einsame, wie auch gescheiterte Existenzen. Alle eint die Suche nach dem kleinen oder großen Glück, nach neuen Zielen, beruflichem Erfolg, oder nach Liebe. Jeder erzählt seine ganz eigene, berührende Geschichte, oftmals gespickt mit einer gehörigen Portion Sex und Drugs oder Rock´n Roll. Die WaschBar offenbart dabei in rasantem Tempo einen berauschenden Blick hinter die Kulissen einer mitunter zwielichtigen Gesellschaft. Was alle verbindet, ist die Musik und so singt sich so mancher die geschundene Seele aus dem Leib, immer unterstützt von Tresenhilfe Dominick, der die sangesfreudigen Akteure leidenschaftlich durch ihre Rock-, Pop- und Soulstücke am Piano begleitet. Ob schön oder traurig, die kuriosen, wie auch lebensnahen Geschichten und Schicksale vereinen nicht nur Tragik, sondern ein hohes Potenzial an Komik und Humor.

Wem "Heiße Ecke" gefiel, wird "WaschBar" lieben!

Für weitere Informationen klicken Sie auf die Bestellnummer: MA 467


Leseprobe: "WaschBar"

Autor: Michael Wempner
Komposition: Nick Nordmann
Besetzungshinweis: 9 DarstellerInnen in maximal 28 Rollen

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Piet (kommt mit einem Rollwagen voller Waren herein): Moin, Schorty.

Schorty: Hallo Piet, du bist spät dran heute.

Piet: Ja, ist ja auch kein Wunder, jeden Montag eröffnen die irgendwo `ne neue Baustelle. Heute B 200, von zweispurig auf einspurig, aber glaubst du, dass die anderen Autofahrer einen da rein lassen. Diese Montagmorgen-ich-fahr-zur-Arbeit-Fahrer kennen das Reißverschlusssystem doch nur von ihrer Hose.

Schorty: Na, hast du alles dabei?

Piet: Na logo. Vom Kaffee bis zum Klopapier, alles aufm Rolli, hier. (stellt Ware auf den Tresen, Schorty räumt weg) 10 Liter Milch, 1 Karton Rotwein, 1 Karton Weißwein, 1 Mal Sekt, ein Kasten Bier, 20 Eier…

Schorty: Ich hatte aber 30 bestellt.

Piet: Oh ja, hier ist noch ein Paket. Achtung fang! (Wirft ihm das Paket geschickt zu).

Schorty: Oh Mann, Piet!

Piet: Papierhandtücher und Klopapier, Richtung Tante Meier? (Schiebt den Rollwagen Richtung WC ins Off)

Schorty: Ja, genau.

Alice (eine arbeitslose Schauspielerin kommt herein, singt acapella): Hello my friends, I´m so glad to be here.

Schorty: Hello, is it me you´re looking for?

Alice: Nee, ich bin eigentlich zum Wäsche waschen gekommen.

Schorty: Alles klar, Alice, du kennst dich ja aus.

Nina (eine aufreizend gekleidete Prostituierte, kommt herein): Moin.

Alice: Moin

Schorty: Hallo Nina. Na, so früh schon unterwegs?

Nina: Ja, ich sag mir immer, lieber fünf vor zwölf, als keinen nach eins. --- Ich wollte mich ´n bisschen aufwärmen ist das okay? Machst du mir ´n Tee?

Schorty: Na klar.

Piet trägt mehrere Waschmittelpakte in Richtung Trocknerraum.

Norman (ein Zeitungsausträger, Typ Muttersöhnchen, kommt mit einem Schwung Wochenblätter herein): Tag, Herr Schortens!

Schorty: Hallo Norman, na machst du wieder deine Runde?

Norman: Ja. Kann ich hier ein paar Wochenblätter hinlegen?

Schorty: Ja, ja, mach man. Sag mal, welche Zeitungen verteilst du eigentlich?

Norman: Mittwochs "Moin Moin" und samstags "die Wochenschau".

Nina: Hey du, gibst du mir gleich mal so ´ne Zeitung?

Norman: Gerne, bitte schön.

Nina (gibt ihm einen Euro): Hier, das ist für dich.

Norman: Nee, nee. Die müssen Sie nicht bezahlen, die sind umsonst.

Nina: Ich weiß. Nun nimm schon!

Norman: Oh, 1 Euro. Danke. Das,... das ist mein erstes Trinkgeld, seitdem ich Zeitung austrage. Wissen Sie, Ich hab Sie schon öfter drüben beim Hotel gesehen, wohnen Sie da?

Nina: Nein, aber ich arbeite da manchmal.

Norman: Ach so. --- Manchmal?

Nina: Ja.

Norman: Ist die Arbeit in einem Hotel nicht anstrengend?

Nina: Kommt darauf an, was einem so unterkommt. (Lacht)

Norman: Ja, klar. (Lacht verlegen) --- Den hab ich jetzt nicht verstanden.

Nina: Du bist ja ein kauziges Kerlchen. Pass mal auf, ich arbeite da drüben als Liebesdienerin, ... ich verkaufe Sex für Geld.

Norman: Ach so, sowas machen Sie. Dann sind sie so eine Protest-uierte. – (Hält den Euro hoch) Was kriegt man denn für einen Euro?

Nina: Nicht viel, dafür darfst du mir mal in den Ausschnitt gucken.

Norman (gibt ihr den Euro, amüsiert): Hier, hab ich schon gemacht. --- Wissen sie, ich stell mich in Liebessachen immer etwas ungeschickt an, ich werde dann immer nervös und fang an zu st..ot..tern.

Nina: Ach, das ist doch nicht so schlimm. Wenn du eine nett findest, darfst du nicht so viel reden, du musst sie nur zu dir nach Hause einladen und etwas verwöhnen.

Norman: Sie meinen das funktioniert? Einfach so?

Nina: Aber ja.

Norman: Dann darf meine Mutter aber nicht da sein.

Nina (grinst): Ach so, tja, das macht die Sache natürlich kompliziert.

Norman: Herr Schortens haben sie eine Sprudel für mich?

Schorty: Ja, klar.

Alice: Sag mal, Schorty hast du nur dieses eine Waschpulver?

Schorty: Ja, das soll aber gut sein.

Alice: Wer sagt das?

Schorty: Piet.

Piet (zwischenzeitlich ans Geldspielgerät gegangen): Ja, wäscht das nicht schön sauber?

Alice: Na ja, ich weiß nicht. Da sollen solche Sachen drin sein, die die Haut austrocknen und Allergien auslösen. Tenside, Bleichmittel, chemischer Weißmacher. Und dann der Weichspüler, der geht gar nicht, das ist richtiges Dreckszeug...

Schorty: Apropos, was möchtest du was trinken?

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